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Senet - Alquerque - Hnefatafl: alte Brettspiele erleben

Ägyptische Spiele, römische spiele, mittelalter-spiele - Spielen Sie sich durch die Jahrhunderte!

Wussten Sie, dass das Mühle-Spiel in der Antike in zahlreichen verschiedenen Varianten gespielt wurde? Oder dass es im Mittelalter die Schachfiguren Elefant, Bischof und Streitwagen gab und die Dame eine der schwächsten Figuren im Spiel war? Dass neben dem heute bekannten quadratischen Schachbrett eine kreisförmige und eine rechteckige Variante existierten? Oder dass Backgammon als „Wurfzabel“ ein beliebtes mittelalterliches Glücksspiel war und immer wieder gesetzlich verboten wurde?

 

Lernen Sie mit uns die abwechslungsreiche Geschichte der Brettspiele kennen und probieren Sie selbst längst vergessene alte Brettpiele aus: Ägyptische, antike und mittelalterliche Spiele.

hintergrund

Finsteres Mittelalter? Von wegen! Neben zahlreichen adeligen Freizeitbeschäftigungen wie sportlichen Wettkämpfen, Tanz und Jagd war auch das Brettspiel ein beliebter Zeitvertreib bei Männern wie Frauen.

 

Archäologische Funde belegen außerdem, dass Karten-, Brett- und Würfelspiele auch bei der Land- und Dorfbevölkerung über alle sozialen Schichten hinweg beliebt waren.

Alte Brettspiele. © Karin Lackner

 


Viele mittelalterliche Spiele enden auf -zabel oder -tafl: Kvatrutafl/Wurfzabel, Skaktafl/Schachzabel, Hnefatafl/Königszabel, Halatafl/Fersenzabel, Reftafl/Fuchszabel u.a. Beide Wortendungen gehen auf das lateinische "tabula" zurück und bezeichnen ein Brettspiel.

Woher weiß man, welche Spiele es gab?

Nicht nur archäologische Funde von Spielbrettern, -steinen und -figuren aus Holz, Knochen, Horn, Elfenbein etc. zeugen von der "Verspieltheit" der antiken und mittelalterlichen Bevölkerung. Auch schriftliche Belege für alte Brettspiele sind zahlreich:

  • Spielanleitungen und -sammlungen
    Spielebücher wie das 1283 erschienene Libro de los juegos (Buch der Spiele) des Königs Alfons X. von Kastilien liefern neben den Namen der damals bekannten Spiele auch oft sehr ausführliche Spielanleitungen. Besonders das Schachspiel hatte es den Menschen angetan, weswegen zahlreiche Bücher über Schachprobleme erschienen.
  • Gesetzliche Verbote
    Auch Verbote bestimmter (Glücks-)Spiele geben einen guten Einblick in die Fülle mittelalterlicher Spiele. Da die Menschen jedoch erfinderisch waren, half es wenig, einzelne Spiele zu verbieten. Die Spiele wurden einfach unter anderem Namen weitergespielt. Daher sind viele Spiele unter zahlreichen verschiedenen Namen überliefert.
  • Bildliche Darstellungen
    In vielen mittelalterlichen Manuskripten finden sich Abbildungen von Spielen bzw. Personen beim Spielen. Einige schöne ganzseitige Darstellungen sind beispielsweise in der Manessenschen Liederhandschrift enthalten, aber auch in Miniaturen wie verzierten Initialen wurden immer wieder Personen beim Spielen abgebildet.
    Auch in vielen Gemälden sind Spiele bzw. SpielerInnen abgebildet. Ein Paradebeispiel hierfür ist Pieter Bruegels Kinderspielbild (um 1560), in dem über 90 verschiedene Kinderspiele zu sehen sind - darunter Puppen-, Ball- und Murmelspiele, Reifentreiben, Blinde Kuh, Insektenfangen, Stelzenlaufen, Kreiseldrehen und Fassreiten.
  • Literatur
    In der Literatur finden sich ebenfalls zahlreiche Hinweise auf verschiedene Spiele.
    So zählt der französische Schriftsteller und Geistliche
    François Rabelais in seinem 1534 erschienenen Roman La vie inestimable du grand Gargantua etwa 300 mittelalterliche Spiele namentlich auf, die sein Romanheld Gargantua beherrschte.

wer spielte welche spiele?

Die Brettspiele der Adeligen unterschieden sich nicht von jenen des Volkes, lediglich die verwendeten Materialien waren deutlich kostspieliger und die Verzierungen der Spielsteine, Figuren und Spielbretter aufwändiger. Daneben wurden Würfel-, Karten-, Ball- und Kugelspiele gespielt.

 

Auch sportliche Spiele wie Fußball, Golf oder Tennis und Wettkämpfe wie Turniere waren beliebt. Tanz zählte ebenfalls zum spielerischen Zeitvertreib.

 

Spezielle Brettspiele für Kinder, wie wir sie heute kennen, waren dagegen weitgehend unbekannt - die Brettspiele wurden von Jung und Alt gleichermaßen gespielt.


Gibt es alte brettSpiele, die bis heute "überlebt" haben?

Beispiel für alte Brettspiele aus dem Mittelalter: Zwei Personen spielen Wurfzabel. © Univeristät Heidelberg. Public Domain.

Wurfzabel. Bild: Cod. Pal. germ. 848 Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), 262v. Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340.  Public Domain.

Viele ägyptische, antike und mittelalterliche Spiele sind heute in Vergessenheit geraten, wie Senet, ein altägyptisches Lauf- und Strategiespiel, oder das mittelalterliche Zahlenkampfspiel, auch Rhitmomachia genannt, dessen Spielverlauf auf mathematischen Regeln beruhte und daher nur von Studenten und Gelehrten gespielt werden konnte, bei diesen jedoch ausgesprochen beliebt war.

 

Umgekehrt waren erstaunlich viele der heutigen klassischen Brettspiele wie zum Beispiel das Schach-, Dame- und Mühlespiel sowie Wurfzabel (Backgammon) bereits im Mittelalter bekannt - teils in mehreren, heute unbekannten Varianten. Auch die Spielregeln waren zum Teil anders als heute.


 

Manche alten Brettspiele wie das skandinavische Hnefatafl, bei dem ähnlich dem Schach zwei Heere gegeneinander antraten, gerieten zwar nach dem Mittelalter in Vergessenheit, wurden aber im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und werden inzwischen in eigenen Vereinen wieder gespielt.


Hnefatafl hieß ursprünglich einfach nur Tafl, da in Nordeuropa nur dieses eine Brettspiel bekannt war. Erst, als im Lauf des Mittelalters weitere Brettspiele wie Kvatrutafl/Wurfzabel und Skaktafl/Schachzabel hinzukamen, wurde eine genauere Unterscheidung notwendig, und Tafl wurde zu Hnefatafl.

Darstellung eines Mannes und einer Frau beim mittelalterlichen Spiel Schachzabel. © Universität Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848 Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), 13r. Public Domain.

Schachzabel. Bildausschnitt: Cod. Pal. germ. 848 Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), 13r. Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340. Public Domain.


workshop

In unserem Kurs Alte Brettspiele erfahren Sie Wissenswertes über ägyptische Spiele, römische Spiele und Mittelalter-Spiele und können die vorgestellten Brettspiele im Detail kennenlernen und ausprobieren. Die im Workshop verwendeten Brettspiele werden von uns nach überlieferten textlichen und bildlichen Quellen in Handarbeit hergestellt und können bei Interesse direkt im Workshop erworben werden.

 

Der Workshop dauert etwa 4 Stunden. Die erste Hälfte ist den Spielen der Frühen Hochkulturen und der römischen Antike gewidmet, in der zweiten Hälfte lernen Sie mittelalterliche Brettspiele kennen.

 

Dauer: ca. 4 Stunden

Kosten: 65 EUR (inkl. Informationsmaterial)

 

Frühe Hochkulturen und Antike

Mesopotamien, ägyptische Spiele und römische Spiele

  • Mesopotamien: Königliches Spiel von Ur
    Laufspiel für 2 Personen. Wer zuerst alle eigenen Steine aus dem Spiel bringt, gewinnt. Verschiedene Felder mit Sonderfunktionen bringen Vor- und Nachteile während des Spiels. Gespielt wird mit 7 Spielsteinen pro Person und 3 pyramidenförmigen Würfeln.

  • Altes Ägypten: Senet
    Lauf- und Strategiespiel für 2 Personen. Würfelglück und taktisches Vorgehen müssen geschickt kombiniert werden. Gespielt wird mit 7 Spielsteinen pro Person und 4 Wurfstäbchen. Senet war ein beliebtes Spiel der ägyptischen Oberschicht und eine häufige Grabbeigabe. Auch im Grab des Tutanchamun wurden einige Senet-Spiele gefunden.

  • Römische Antike: Ludus duodecim scriptorum (Duodecim Scripta)
    Laufspiel für 2 Personen. Das Spiel ist dem heutigen Backgammon ähnlich, gilt aber nicht als direkter Vorläufer. Gespielt wird mit 15 Spielsteinen pro Person und 3 Würfeln.

  • Römische Antike: Ludus latrunculorum (Latrunculi)
    Strategiespiel für 2 Personen. Die gegnerischen Steine müssen geschlagen, die eigenen vor dem Geschlagenwerden geschützt werden. Gespielt wird mit 16 Spielsteinen pro Person.

Mittelalter-Spiele

  • Mühle-Spiel (verschiedene Varianten)
    Strategiespiel für 2 Personen. Das Mühlespiel ist eines der ältesten Brettspiele der Menschheit. Erste Funde stammen aus der Regierungszeit Ramses I. (1290 v. Chr.). In der Antike und im Mittelalter gab es zahlreiche Versionen des Spiels wie die Kleine Mühle, die Römische Mühle, Nullen & Kreuze und die Doppelmühle.


  • Spiele auf dem Alquerque-Brett
    Strategie -bzw. Jagdspiele für 2 Personen. Spiele der Alquerque-Gruppe bestehen aus vier quadratisch oder fünf kreuzförmig angeordneten Kleine-Mühle- oder Römische-Mühle-Brettern. Der älteste Nachweis eines Alquerque-Brettes findet sich auf einem altägyptischen Tempel. Neben dem Alquerque selbst wurden zahlreiche weitere Spiele auf dem Alquerquebrett gespielt, darunter Hasenjagd, Fuchs und Henne oder Halatafl (Fersenzabel bzw. Fuchs und Gänse).

  • Würfelbrettspiele
    Lauf- und Glücksspiele für 2 oder mehr Personen. Beliebte  Laufspiele waren Wurfzabel (heute Backgammon) und das Gänsespiel. Beliebte Glücksspiele waren das Glückshaus und die Lustige Sieben, bei denen Spielmarken auf Felder gesetzt wurden und gewonnen oder verloren werden konnten. Da auch beim Wurfzabel häufig um Geld gespielt wurde, wurde es wie die Glücksspiele immer wieder gesetzlich verboten.

  • Hnefatafl (Königszabel)
    Strategiespiel für 2 Personen.
    Ziel ist, mit dem in der Spielfeldmitte platzierten König den Spielfeldrand zu erreichen, während das an den vier Rändern des Spielfeldes platzierte gegnerische Heer versucht, den König gefangen zu nehmen.

Bilder: © Karin Lackner

 

Bilder: © Karin Lackner

 


Lernen Sie in unserem Workshop Alte Brettspiele all diese historischen, großteils in Vergessenheit geratenen Spiele kennen und spielen Sie sich mit uns durch die Jahrhunderte!

tipp:

Sie möchten zu einem historischen Brettspielabend im Freundeskreis einladen? Dann gestalten Sie Ihre Einladung doch stimmungsvoll in mittelalterlicher Schrift! Sie können nicht "mittelalterlich" schreiben? Kein Problem - besuchen Sie unseren Kalligraphie Kurs "Unziale, Bastarda und Kurrent" und lernen Sie  mittelalterliche Schriftarten lesen und schreiben!

 

Um Ihre Einladung noch authentischer zu gestalten, geben Sie den Termin doch in Form einer mittelalterlichen Datierung an! Wie das geht, erfahren Sie in unserem Workshop Urkundendatierung im Mittelalter.